In diesem Jahr fingen wir schon im Januar an, uns erste
Gedanken über unsere diesjährige Reise zu machen. Dass es nach Afrika gehen
sollte, war ohnehin klar, jedoch sonst noch gar nichts. Angeregt durch die
Serie „Mike und Mark, die Wildnisprofis“ auf Animal Planet wären wir ganz gerne
in das Okavangodelta gereist, gaben diese Idee aber schon bald wegen der
komplizierten Anreise und der extrem hohen Kosten wieder auf. Eine, der
Tansaniarundfahrt entsprechende Keniareise von Marco Polo war uns ebenfalls zu
teuer und kam schon wegen der Organisation der An- und Abreise, über die wir
uns bereits 2004 geärgert hatten, nicht in Frage.
Unser Versuch, selbst eine Reise maß zu schneidern,
scheiterte daran, dass ein Anbieter zu teuer war und der andere vollmundig ein
Angebot innerhalb einer Arbeitswoche versprach, aber offensichtlich ein völlig
anderes Verständnis von einer Arbeitswoche hat als wir. Jedenfalls konnten wir
trotz mehrfacher Nachfrage bis zum heutiog4en Tage keine Reaktion vermerken.
Wenn der alte Firmengründer Heinrich Pollmann aus Hamburg Altona so etwas
mitbekäme, würde er im Grab rotieren, oder lebt der noch? Eigentlich sollte
man, wenn man schon in Mombasa ist, den Laden mal aufsuchen und die
Verantwortlichen über den Diensteifer ihrer Angestellten informieren. Das
werden wir aber doch nicht machen, weil wir nicht noch mal die Schuld daran
haben wollen, dass so ein Trottel seinen Job verliert, auch wenn er es in Grund
genommen verdient. Wir hatten uns vor zwei Jahren einmal in Nairobi über einen
extrem unfreundlichen Kellner beschwert, was zur Folge hatte, dass er angeblich
umgehend rausgeflogen ist. Ich hoffe allerdings, dass man das nur so gesagt
hat, um uns zu zeigen, wie sehr dem Hause das Wohl der Gäste am Herzen liegt.
Letztlich mussten wir dann doch wieder auf den
Tui-Katalog zurückgreifen, nach dessen Studium wir uns für die jetzt unter dem
Titel „Best of Kenya“ angebotene XL-Version der Rundreise von vor zwei Jahren
entschieden. Das Hauptproblem dieser Tui-Safaris, die ansonsten bis ins
kleinste Detail perfekt organisiert sind, besteht darin, dass es Gruppenreisen
sind, die mit bis zu sieben Teilnehmern pro Fahrzeug durchgeführt werden. Wir
fragten daher über unseren Reiseagenten bei Tui nach, ob – und zu welchem Preis
dieses Risiko ausgeschlossen und der Teilnehmerkreis auf zwei Personen beschränkt
werden kann.
Kurz gesagt: Es geht, ist aber so teuer, dass wir
das Risiko, eventuell zu siebt durch Kenia zu kutschieren, auf uns nehmen
müssen. Sehr wohl ist mir allerdings dabei nicht. Ich brauche da nur an die
deutsche, natürlich in die unsäglichen ärmellosen khakifarbenen Westen
gewandete Reisegruppe zu denken, die in der Serengeti Serena Lodge am
Nachbartisch residierte. Neben ihrer Verwendung als zünftiges Safarioutfit
werden diese Westen in Hamburg gern bei den morgendlichen Brötchen- und
Bildzeitungssafaris getragen. die Komplettausrüstung eines morgendlichen
Brötchenholers besteht übrigens neben besagter Weste aus schlecht sitzenden
Jeans mittlerer Qualität, Elbsegler und Umweltbeutel aus ungebleichtem
Leinenstoff.
Die beiden männlichen Teilnehmer dieser zünftigen
(ich find das Wort so was von ungeil!) Safaritrachtengruppe hatten sich
justament an diesem Abend nach einer vom Leithammel der Gruppe, einem alten
Schwadroneur gehaltenen, „launigen“ kleinen Tischrede entschlossen, doch tatsächlich
nach nur vier Tagen gemeinsamer Safari das förmliche „Sie“ aufzugeben. „Isses
die Möglichkeit!“ hätte Kojak gesagt. Da hätte ich nicht erleben mögen wie der
erste Tag dieser Safari abgelaufen ist. Sie besiegelten diesen Akt der
Verbrüderung wie es sich gehört mit einem Glase guten Weines. „Egon“ (kurz und
militärisch knapp der Leithammel, das Hackenzusammenschlagen hat wegen der
Birkenstocksandalen wohl nicht so geklappt) „und ich bin der Karl-Otto“ (der
Jüngere mit betont devoter Stimme und treuherzigem Augenaufschlag). „Also denn,
auf ein weiterhin gutes Gelingen, hö hö!“ Klirr, Klirr. Nicht auszudenken, was
passiert, wenn man versuchen würde, mich mit so Jemand
für neun Tage in ein Auto zu sperren!
Auch die Sachsen, die in der Manyara Serena Lodge
unseren Soli verprassten “Also morschn missn mer nöchemöl nach Arruscha riewer
(oder wars niewer?) möchn!“, haben nicht so ganz meinem Idealbild von
Reisegefährten entsprochen. (Ich hatte nach nochmaligen Lesen dieser Zeilen
darüber nachgedacht, den Passus mit dem Soli zu löschen. Aber nein, ich mach’s
nicht, ich steh dazu. Nehmt es mir nicht übel, liebe Landsleute aus dem Osten).
Natürlich kann es auch gut gehen und wir treffen wieder nette, lustige
Leutchen, wie die aus Dietz an der Lahn, mit denen wir so viel Spaß hatten,
oder unser etwas schüchterner aber leidlicher Freund aus der Stuttgarter Gegend
auf der zweiten Reise. Nun, man wird sehen!
Natürlich soll es im Gegensatz zum Vorjahr diesmal mit
Badeurlaub sein, wobei wir zunächst wieder an das Leopard Beach Hotel am Diani
Beach, südlich von Mombasa dachten. Insgeheim hatte ich immer noch, entgegen
Petras mehrfach nachdrücklich geäußerten Einspruchs, die Superior Suite des
Hotels im Auge. Eine wahrhaft fürstliche Unterkunft: Natursteinböden, ein getrennter
Wohn- und Schlafraum, jeder mit durchgehender Glasfront zur See hin, der
Wohnraum mit schweren afrikanischen Möbeln (als Kolonialstil in Deutschland zur Zeit total in) mit Lederpolster und einem riesigen
Schreibtisch, das Schlafzimmer mit luxuriösem Möbeln aus Korbgeflecht. Der
Baderaum mit Whirlpool ist alleine schon so groß wie eines der Standardzimmer.
Eingerahmt wird der Bungalow, der sich am hintersten Ende der Anlage direkt an
der Steilküste befindet, auf zwei Seiten von einer überdachten Veranda mit
Hollywoodschaukel und mehreren Sitzgruppen.
Ich ließ also durch das Reisebüro den Aufpreis für
diesen Traum anfragen und erfuhr, dass ernüchternde zwölfhundert Dollar für
zwei Wochen zu berappen wären. Also, wenn das Leopard, dann doch das Cottage
von vor zwei Jahren. Als wir uns dann noch an einige andere kleine
Unzulänglichkeiten wie das manchmal mittelmäßige Abendessen und den häufig
tranigen und schlecht organisierten Service erinnerten, ließen wir das Leopard
sausen (jetzt, wo ich das schreibe, tut es mir schon wieder ein bisschen leid)
und entschieden uns für das Serena Beach Hotel am Shanzu Beach nördlich von
Mombasa. Ein Freund aus dem Elsass, den wir 2003 im Leopard Beach kennen
gelernt hatten, meinte, dass er dieses Hotel vom Vorjahr kennt und dass es das
Beste ist, was er und seine Frau in zwölf Jahren Kenia kennen gelernt
haben.
Da es im Gegenteil zu Diani Beach von Shanzu ein
Katzensprung nach Mombasa ist, kann man mit dem kostenlosen Bus-Shuttle schnell
mal in die Stadt fahren. Also aufgepasst Tamarind, Holzschnitzer,
Markthalle, Gewürzverkäufer und
Perlenläden, wir kommen!
Nachdem alle Klarheiten beseitigt waren, besuchten
wir Anfang Juni unser Reisebüro und brachten alles soweit unter Dach und Fach.
So etwa Anfang August erhielten wir die schriftliche Bestätigung und eine
Beschreibung des Reiseverlaufs von Tui. Die Reiseunterlagen wie Flugtickets
usw. wurden für Ende September avisiert.
Am 22. September, also vorgestern, war es dann so weit:
Ich saß gerade im Garten als Petra den ersehnten Brief auf den Tisch legte, den
unser unfreundlicher Postbote, der immer erst am späten Nachmittag daher kommt,
gerade abgegeben hatte. Mit zitternder Hand riss ich das Kuvert auf (obwohl ich
ja wusste, was drin war), nahm die Tickets heraus und schon war es da, das
merkwürdige Gefühl in Brust und Bauch, das man als Kind immer am Heiligabend
hatte als das Bescherungsglöckchen klingelte.
Gerade jetzt, es ist immerhin zwei Uhr dreißig in
der Nacht, bin ich wieder so aufgeregt als ginge es morgen schon los, obwohl
wir noch vier Wochen (vier ganze Wochen!!!) warten müssen.