Gestern sind endlich unsere Reiseunterlagen angekommen und ich machte mich
natürlich sofort darüber her. Im Begleitschreiben wurde uns mitgeteilt, dass
Platzreservierungen für den Flug Frankfurt – Kilimanjaro und zurück vorgenommen
seien. Huch?! „Das wird ja eine ganz schön hohe Rechnung für den Transfer von
Arusha bis Diani Beach“ dachte ich. Aber die Tickets lauteten dann
erfreulicherweise doch auf Mombasa. Das Schlimmste also, was uns passieren kann
ist, dass wir nur Stehplätze bekommen, was aber bei über acht Stunden Flug doch
ein wenig beschwerlich werden könnte.
Als nächstes fiel mir das Wort „Petroleumlampen“ auf (richtig wäre
„Gaslampen“ gewesen, denn um solche handelte es sich letztlich), das in der
Beschreibung der Unterkünfte im Little Governors Camp vorkam - und eine Zeile
später die beruhigende Nachricht, dass aber in der Rezeption Elektrizität und
Stecker für die Gäste vorhanden seien.
Dank meiner prophetischen Gabe sah ich sofort vor meinem geistigen Auge
die tumultartigen Szenen, die sich im Kampf um die Steckdosen abspielen, wenn
alle Gäste zur gleichen Zeit ihre diversen elektrischen Geräte aufladen wollen.
Schon morgens früh um Fünfe schleicht ein in vielen Schlachten um die
Pool-Liegen dieser Welt gestählter Brite leisen Fußes durchs taufeuchte Gras
und gerade als er sein Handtuch, pardon, seinen Akku auf die Steckdose werfen
will, fegt ihn die harte Rückhand einer Berliner Amateurbadmintonspielerin
mittleren Alters von den Beinen. Diese kann sich jedoch nicht lange ihres
Sieges erfreuen, denn ein halbhoch angesetzter, tückischer Sidekick eines
Pensionärs aus Strathford-On-Avon wirft sie brutal aus dem Rennen. Dieser
wiederum erhält im Augenblick seines Triumphs seine gerechte Strafe als er von
seiner eigenen Gemahlin von hinten angefallen und mit einem beidhändig
gekreuzten Kragengriff zu Boden gerissen wird. Wenn ich argloses Schaf dann so
gegen neun noch mit vom Schlaf rosigen Wangen dahergewackelt komme, um eben
schnell noch einen Akku für Petras Nikon aufzuladen, ernte ich nur höhnisches
Gelächter.
Diese finsteren Visionen veranlassten uns, heute noch schnell hin zum
Händler unseres Vertrauens zu fahren (5 km) um zwei zusätzliche Akkus zu
erwerben. Der abgeklärte Verkäufer, der es geschickt versteht, seine zweifellos
vorhandenen Fachkenntnisse vor den zudringlichen Fragen seiner Kunden zu verbergen und dessen
ständiges Bemühen seinem Beinkleid gilt, welches permanent versucht, in seinem
Abwärtsdrang die Schamgrenze zu unterschreiten, fragt, ob es denn Originalakkus
sein müssen und beantwortet die Frage gleich selbst indem er uns zwei in China
gefertigte Teile hinhaut. Obwohl ich eigentlich Originalakkus von Nikkon haben
wollte, weil ich in der Vergangenheit bereits mehrfach Probleme mit No Name
Produkten hatte, überzeugte mich das fachliche Argument des Verkäufers, dass
Akku schließlich Akku – und der Preisvorteil von zwanzig Euro pro Stück auch
nicht zu verachten sei. Da hat er Recht, in Campari-Orange an der Bar im
Leopard Beach Hotel umgerechnet ist das schon was!
Also ab nach Hause und ans Ladegerät. Gleich der erste Akku flutschte
nicht so wie es sein sollte in den Ladeschacht, sondern passte gerade eben so
rein und saß dann auch recht stramm. Egal, passend ist passend und der
tausendstel Millimeter, um den das klemmt, macht ja wohl nichts, denk ich mir.
Aber das Ladegerät, welches seinen
Dienst normalerweise mit einem stetigen und Vertrauen erweckenden Blinken im
Halbsekundentakt verrichtet, verfällt in ein hektisches Geflacker, das auch
nach einer halben Stunde noch nicht aufhört.
Eigentlich hätte mir jetzt schon klar sein müssen, dass mit diesem Akku
etwas nicht stimmt, aber um sicher zu gehen, wollte ich ihn in der Kamera
ausprobieren, was ich, vorweggenommen, besser unterlassen hätte. Ich steckte
also das Teil in den Akkuschacht von Petras Coolpix. Aber auch hier klemmte er
ein wenig. Jeder andere hätte jetzt aufgehört
– nur ich nicht, so leicht gebe ich nicht auf. Mit leichtem Druck ging
der Akku dann auch rein. Schalter auf „ON“
gestellt und was passiert? Richtig! Nix passiert. Nun war auch ich
überzeugt. Hinfahren, umtauschen und gut is.
Nur, da gab es ein klitzekleines Problem: Ich bekam das stramm sitzende
Teil nicht mehr aus dem Schacht raus, egal was ich auch anstellte. Na super!
Eine Woche vor dem Urlaub muss ich unbedingt noch Petras Kamera lahm legen. Ich
versuchte es mit einem Messer – ging auch nicht. Selbst mein Leatherman war
hier machtlos! Im Hintergrund hörte ich schon Petras gedämpftes Murmeln und
konnte förmlich ihren stechenden Blick im Rücken spüren und wieder einmal
beschlich mich der leise Verdacht,
dass sie mir auf einigen Gebieten nicht all zu viel zutraut.
Also wieder die 5 Kilometer zurück gefahren und reklamiert. Der Verkäufer
(der mit den Hosen) gab sich völlig entspannt und nach einigen Versuchen hatte
er tatsächlich den Akku mit einem Schraubenzieher und einigem Kraftaufwand aus
dem Schacht gehievt. „Ja, mit Gewalt ... “ murmle ich als Antwort auf
Petras Seitenblick.
Der Verkäufer begutachtete das Teil und stellte fest, dass es
richtiggehend ausgebeult und deswegen so schwergängig war. „Ahaaa, er hat
ausgegast!“ meinte er (so kann man sich
täuschen: Ich dachte immer, dass dies nur lebenden Wesen möglich ist) und legte
mir, keinen Widerspruch duldend, wieder ein No Name als Ersatz hin. Wer mich
kennt, weiß, dass ich schon immer etwas schüchtern bin und dass es mir an
Durchsetzungsvermögen mangelt. Also packe ich das Ding wider mein besseres
Wissen ein und trolle mich nach Hause, was ein Fehler war, denn auch dieses
Teil funktionierte nicht!
So mitten in den Urlaubsvorbereitungen hat man ja sonst nichts zu tun als
permanent durch Hamburgs Westen zu düsen.
Also wieder ins Auto und zum dritten Mal die 5 km hin fahren.
Inzwischen hat der Berufsverkehr eingesetzt und wir brauchen fast eine halbe
Stunde. „Klar tauschen wir den noch
mal um, aber wieso denn nun auch noch den anderen, der ist doch in
Ordnung?“ Die auf dem „noch mal“ liegende Betonung veranlasste mich, meine
angeborene Zurückhaltung aufzugeben und stimmlich etwas zuzulegen: „Mir wurscht!
Ich will jetzt einfach zwei neue Akkus und zwar Originale von Nikon,
ok?“ „Schon gut, ja, aber das kost’ Sie richtich 40 Euro!“ „Egal, her
damit, das sind meine 40 Euro!“
Good bye, ihr zehn Campari-Orange! Aber jetzt kann Petra wenigstens ohne
Probleme fotografieren was das Zeug hält – und das ist ja auch was, oder?